Nervensystem-Basics: Wie du verstehst, wo du gerade stehst.
Stell dir vor, unser Körper hat ein eingebautes System, das uns ständig signalisiert, ob gerade Gefahr besteht oder wir uns sicher fühlen können. Dieses System – unser Nervensystem – arbeitet dabei mit verschiedenen Mechanismen, die sich in unterschiedlichen Situationen bemerkbar machen und unser tägliches Erleben beeinflusst. Let’s dive in!
Das alte parasympathische System (dorsaler Vagus)
Dieses System ist oft unser erster Schutzmechanismus, wenn uns die Welt mal zu viel wird.
Nehmen wir zunächst den alten parasympathischen Zweig, oft als dorsaler Vagus bezeichnet. In Momenten, in denen uns das Leben überwältigt oder wir uns bedroht fühlen, kann dieser Teil unseres Nervensystems in einen sogenannten Freeze-Modus schalten. Gleichzeitig spielt er aber auch in sicheren Zeiten eine wichtige Rolle.
Freeze-Reaktion in unsicheren Situationen:
Wenn du dich überwältigt oder bedroht fühlst, kann dein Körper in diesen "Freeze"-Modus wechseln. Dabei schaltet er quasi teilweise ab – ein natürlicher Mechanismus, der uns vor zu intensiven Reizen schützen soll.Erholung in sicheren Momenten:
Aber auch wenn du dich in einem ruhigen Umfeld befindest, arbeitet dieser Teil deines Nervensystems mit. Er unterstützt zum Beispiel deinen Körper beim Schlafen oder bei der Verdauung, indem er eine tiefe Regeneration ermöglicht.
Das neue parasympathische System (ventraler Vagus)
Dieser Teil deines Nervensystems ist ganz speziell, denn er schaltet nur dann richtig auf, wenn du dich sicher und verbunden fühlst.
Im Gegensatz dazu steht der neue parasympathische Zweig, der ventrale Vagus. Dieser Bereich wird nur dann aktiv, wenn du dich wirklich sicher und geborgen fühlst. Genau hier entsteht das Gefühl von emotionaler Nähe und Verbindung. Es ist dieser Zustand, der es dir ermöglicht, Stress abzubauen und innerlich zur Ruhe zu kommen. Es fühlt sich fast so an, als ob dieser Teil deines Nervensystems dir signalisiert: „Hier ist es sicher, du darfst loslassen.“
Raum für soziale Interaktion und Entspannung:
Wenn du dich in einer angenehmen, unterstützenden Umgebung befindest – etwa im Gespräch mit guten Freunden oder beim entspannten Beisammensein – dann ist dieser Bereich voll aktiv. Er sorgt dafür, dass du emotional aufgeladen bist, Stress abbaust und dich innerlich wirklich wohlfühlst.
Der Sympathikus
Der Sympathikus ist der Energieschub, den du bekommst, wenn dein Körper aktiv werden muss.
Dann gibt es noch den Sympathikus, den Teil, der dir den nötigen Energieschub gibt, wenn du aktiv werden musst. In Situationen, in denen du Gefahr spürst oder unter Stress stehst, sorgt der Sympathikus dafür, dass dein Herz schneller schlägt, deine Atmung sich beschleunigt und du körperlich bereit bist, zu reagieren – der klassische Kampf-oder-Flucht-Modus. Aber interessant ist, dass der Sympathikus nicht nur in unsicheren Momenten aktiv wird. Auch bei Aktivitäten, die dir Freude und Energie schenken, übernimmt er seine Rolle, um dir Kraft und Dynamik zu verleihen, ohne dass du dich dabei bedroht fühlst.
Reaktion in unsicheren Situationen:
In Momenten, in denen du Gefahr witterst oder unter Stress stehst, bringt er deinen Körper in einen Zustand von Kampf oder Flucht. Herzschlag, Atmung und Anspannung steigen – ganz normal, um dich auf eine Herausforderung vorzubereiten.Aktivität auch in sicheren Momenten:
Interessanterweise kann dieser Teil auch dann aktiv sein, wenn du dich sicher fühlst. Denk nur an Sport, Tanzen oder andere Aktivitäten, bei denen du richtig in Schwung kommst. Hier liefert der Sympathikus die nötige Energie, ohne dass du dich bedroht fühlst.
Was bedeutet das für den Alltag?
Was das alles für uns im Alltag bedeutet, ist ziemlich spannend. Unsere inneren Systeme arbeiten ständig zusammen, manchmal auf eine Weise, die uns gar nicht bewusst ist. An manchen Tagen fühlt man sich plötzlich blockiert und überwältigt, weil der Schutzmechanismus des alten Parasympathikus oder der alarmierende Sympathikus in den Vordergrund tritt. An anderen Tagen, wenn man in einer Umgebung der Geborgenheit ist, spürt man die beruhigende Wirkung des ventralen Vagus und kann sich richtig entspannen.
Wenn du beginnst, diese Signale deines Körpers wahrzunehmen, hast du auch die Möglichkeit, gezielt etwas zu tun – sei es durch bewusste Atemübungen, kurze Meditationspausen oder einfach durch den Aufenthalt in einem Umfeld, in dem du dich sicher fühlst. Es geht darum, den Übergang von Stress zu Entspannung aktiv zu unterstützen und so eine Balance zu finden, die dir gut tut.
Atem- und Entspannungsübungen:
Mit einfachen Techniken wie bewusster Atmung oder kurzen Meditationen kannst du gezielt Einfluss auf dein Nervensystem nehmen. Das hilft dir, vom Stressmodus in einen Zustand der Ruhe zu kommen.Soziale Kontakte:
Verbringe Zeit mit Menschen, bei denen du dich wirklich sicher fühlst – das aktiviert deinen ventralen Vagus und fördert das Gefühl von Verbundenheit und Wohlbefinden.Bewegung:
Nutze körperliche Aktivitäten, um überschüssige Energie abzubauen. Sport und Tanzen können dir helfen, den Sympathikus gezielt zu aktivieren, ohne dass sich das negativ anfühlt.
Am Ende zeigt uns dieses Zusammenspiel, dass es ganz natürlich ist, dass wir uns manchmal überwältigt und in anderen Momenten gestärkt fühlen, dabei aber immer eins im Sinn hat – uns zu schützen. Unser Körper sendet uns ständig Hinweise, wann es Zeit ist, sich zurückzuziehen und wann es sich lohnt, aktiv zu werden. Dieses Verständnis kann dir dabei helfen, deine eigenen Bedürfnisse besser zu erkennen und für mehr Selbstfürsorge in deinem Alltag zu sorgen.